23.05.2018 Kategorie: Aktivitäten KBV

Gleich 2 Termine an der sogenannten Basis der Landwirtschaft hatte ich mit Herrn Müller vom mdr Radio an einem Tag.Das hoheitliches Thema für diesen Tag lautete:

„die Wasserproblematik im Landkreis Stendal“.

Genauer gesagt, der geplante Polderbau in Klietz/ Scharlibbe und die sehr hohen Stauziele an der Havel.

Zuerst besuchten wir einen landwirtschaftlichen Betrieb, der mit über 700 ha Ackerflächen und Wiesen am meisten vom Bau des Klietzer Polders betroffen wäre. Es herrscht Existenzangst, denn der Betrieb kann ohne die Acker- und Wiesenflächen, die dann im Polder liegen würden, keine Tiere mehr halten. Zum einen sind die außerhalb liegenden Wiesenflächen für eine gute Mutterkuhhaltung zu klein und zum anderen wird auf den Ackerflächen Futter für die Tierhaltung produziert, welches dann über kurz oder lang wegfallen würde, da sich Polderflächen auf Grund der Vernässung irgendwann in Wiesen verwandeln werden. Als Beispiel seien hier die Havelpolder genannt.

Mehr als 25 Menschen finden in diesem Betrieb, der vom Hochwasser 2013 arg betroffen war, ihre Arbeitsstätte. Seit 65 Jahren besteht dieser landwirtschaftliche Betrieb an dieser Stelle und möchte noch weitere 65 und mehr Jahre dort wirtschaften.

Hochwasserschutz ist dringend erforderlich, aber hier muss abgewogen werden, wie die Betroffenheiten verteilt sind und welche wirtschaftlichen Faktoren eine Rolle spielen. Als einer der wenigen Arbeitgeber in der Region muss das Beachtung finden.

Für uns als Verband stellte sich die Frage, warum dieser Polder von einer 2 er Kategorie in eine 1er Kategorie in der Bewertung gerutscht ist, obwohl das Aufnahmevolume geringer und die Kosten massiv höher sind als im 2016 favorisierten Tangerpolder. Eine Bewertung veränderte sich allerdings im letzten Jahr, die der naturschutzfachlichen Belange. Diese sind nun auf hohes Entwicklungsniveau eingestuft. Was uns Glauben lässt, das hier auf hochwertigen Ackerflächen Polder gebaut werden sollen, um diese dann für zum Beispiel Auenwälder zu nutzen. Auf eine Antwort vom LHW zu diesem Sachverhalt warten wir seit 8 Wochen.

Schon 2016 erklärte der betroffene Betrieb, dass zur Flut 2013 die Keller voll liefen und das Grundwasser enorm anstieg. Aus landwirtschaftlicher Sicht bekommt die Stallanlage mit ihrem Gülleabfluss durch Drängewasser enorme Probleme, denn das Wasser läuft über den Trübengraben ab und der liegt hinter der Stallanlage.

Nach einem Telefonat am heutigen Tag mit dem LHW wird die Beantwortung der naturschutzfachlichen Bewertung für diese Woche noch angekündigt sowie ein Gespräch im kleinen Kreis angeboten.

 

Das nächste Wasserproblem erwartete uns in der Nähe von Molkenberg.

Unvorstellbares für den Otto-Normalverbraucher sahen wir dort, Wiesen unter Wasser. In Magdeburg liegt der Domfelsen frei und die Elbe hat einen Wasserstand von knapp einem Meter und 83 km Luftlinie weiter bei Havelberg läuft uns das Wasser in die hohen Gummistiefel.

WARUM? Die Havel wird angestaut nach einem Konzept des NABU Brandenburg/ Rathenow basierend auf Durchflussmengen an einem bestimmten Pegel.

Die Stauziele werden im Staubeirat festgelegt, in dem die Landwirtschaft in jedem Jahr ihre Anträge genauso einstellt, wie der NABU und andere Verbände. Hier prallen Naturschutz, Landwirtschaft, Tourismus und Binnenschifffahrt aufeinander. Bisher ist die Landwirtschaft immer der Verlierer.

Zum Pfingstwochenende lag der Pegel Garz bei 251 cm, die Binnenschifffahrt benötigt 130 cm, die Fischer etwa 180 – 200 cm.

Einige der Flächen, die jetzt noch unter Wasser stehen, sollten im Juni beweidet werden, eine Verpflichtung aus den Freiwilligen Naturschutzleistungen, die unsere Landwirte erbringen. Lässt der Landwirt seine Mutterkuhherden hier weiden, stehen sie im Wasser bzw auf feuchter Wiese, da ein Abtrocknen bis dahin nicht möglich ist. Keine Option also.

An ein Abmähen der Wiesen, die mit hochwertigem Futter aufwarten ist nicht mehr zu denken, wirtschaftlich ein Desaster.

Der Kreisbauernverband Stendal hat ein sofortiges Aufheben der Stauziele auf Grund der wirtschaftlichen Einbußen der Landwirte im Havelstau gefordert.

Ein Ortstermin mit dem Umweltamt fand heute statt. Die Entscheidung fiel für die Landwirtschaft sehr positiv aus, denn die Stauziele des NABU sind mit sofortiger Wirkung ausgesetzt und die normalen Stauhöhen werden gefahren.

Nach langem hin und her ein erstmal gutes Ende.