26.02.2018 Kategorie: Aktivitäten KBV

Die Situation auf dem Milchmarkt lässt die Milcherzeuger aufhorchen. Preisschwankungen deuten sich an und einige Molkereien zahlen nur noch 30 Cent pro Kilogramm Milch. Der Verbraucher nimmt wahr, dass Milcherzeugnisse im Preis gesunken sind. Die Milchkrise 2016 ist bei den Milchbauern nicht überstanden, schon folgt der nächste Preisverfall. Diese massiven Schwankungen sind kontraproduktiv für die weitere Entwicklung des Wirtschaftsfaktors Milchproduktion.

Prof. Dr. Kaufmann erklärte den Landsenioren in Iden am 20. Februar den Stand der Milchproduktion auf dem Weltmarkt. Die folgenden genannten Zahlen entstammen dem Vortrag.

Der Verbrauch pro Kopf der Bevölkerung stieg von 2001 mit 95,8 kg Milch bis 2017 auf 111,4 kg Milch, hinter diesen Zahlen steht nicht nur die Milch der Kuh, sondern auch Milch von Wasserbüffeln und Ziegen.

In Deutschland liegt die Leistung einer Kuh pro Jahr im Durchschnitt bei 8000 Liter. Mittlerweile produziert auch Russland mit einer Leistung von 4000 Litern pro Kuh Milch, um aus dem Embargo heraus eine Selbstversorgung abzusichern. Hier ist noch mit einer Leistungssteigerung zu rechnen.

Die Länder Israel mit 130.000 Litern pro Kuh und die USA mit 100.000 Litern im Durchschnitt, liegen auf den ersten Plätzen.

Die größten Milcherzeuger auf dem Weltmarkt sind Europa mit 166 Millionen Tonnen Milch gefolgt von Indien mit 160 Millionen Tonnen, den USA mit 96 Millionen Tonnen und China mit 43 Millionen Tonnen.

Im Jahr 2000 lag Indien noch mit 77 Millionen Tonnen im Mittelfeld und China mit 8 Millionen Tonnen ganz am Anfang einer Milchproduktion. Es ist erkennbar, dass sich diese Länder unabhängig von Importen bewegen und entwickeln wollen.

Der Selbstversorgungsgrad in Milch produzierenden Ländern hat sich seit 2005 enorm nach oben entwickelt. So stieg der Grad in Europa von 106 % auf 111 % und in Neuseeland von 245 auf 309 Prozent.

Die Top Player der Milchproduktion in Europa sind Deutschland, Frankreich, Niederlande, Polen und Groß Britannien. Deutschland produziert 399 Liter Milch pro Kopf seiner Bevölkerung, in Irland sind es 1488 Liter und in den Niederlanden 849 Liter.

Die Entwicklung des Rohmilchpreises ist volativ und vielfach auch durch Börsenspekulationen stark schwankend. Die Milchbauern sind dem ausgesetzt.

Die Wirtschaftlichkeit der Milchproduktion ist im Durchschnitt der Länder in Europa nicht gegeben. Der Milchpreis deckt die Kosten nicht. Nur in Ausnahmefällen wie in Frankreich und Dänemark arbeiten die Milchbauern kostendeckend.

In Deutschland hat sich nach der Milchkrise die Anzahl der Betriebe mit Milchproduktion halbiert. Trotzdem ist die Milchproduktion seit 1999 um 15 % gestiegen. Die durchschnittliche Herdengröße in Sachsen-Anhalt beträgt 226 Tiere. Die Masse der Milchbauern in Deutschland hat weniger als 100 Kühe, den höchsten Anteil daran hält Süddeutschland.

Aus Sicht der Vermarktung in Deutschland lässt sich feststellen, dass 37 % in den Lebensmitteleinzelhandel gehen, 14,5 in die verarbeitende Industrie und 49 % in den Export.

10 große Akteure im LEH besitzen 90 % der Macht und üben Druck auf die Preise aus. Hintergrund ist auch die doppelt so große Verkaufsfläche der LEHs als in zB Frankreich und England. Das kostet Geld.

Auch das Verhalten des Verbrauchers hat sich geändert. Durch Werbung, NGOs, Medien, Eliten und dem LEH wird suggeriert, dass wir uns gesünder ernähren müssen ( vegan, weniger Fleisch).

Zum Beispiel ist Weidemilch voll im Trend, jedoch nur 17,5 % Weidemilch wird in Sachsen-Anhalt produziert. Erstaunlicher Weise in Bayern nur 16,5 % aber in NRW 82,79 %.

Die Bio-Milch hat einen Anteil am Markt von 2,5 Prozent im Gesamtanteil der Milchmenge in Deutschland.

Der Milchmarkt wird den Schwankungen im Preisgefüge weiter ausgesetzt sein. Die Frage ist, wie die deutschen Milchbauern damit umgehen und sich am Markt etablieren können. Neue Konzepte und Regionalität alleine wird nicht das Maß aller Dinge sein.

Auch Prof. Kaufmann sprach hier von veränderten Marktmodellen, noch besseres Management im Betrieb und der Wechsel zu Weide- und/oder Bio-Milch.