25.05.2020 Kategorie: Aktivitäten KBV

Das scheint nicht mehr selbstverständlich. Letzte Woche erhielt ich einen Anruf einer aufgebrachten Oma, ihr Enkelkind trinkt keine Milch mehr, da im Kindergarten erklärt wurde, Milch ist nicht gesund. Die Kinder konnten auf Sojamilch zurückgreifen, das wäre ideal.

Ist es das?

Milch, besonders das Schulmilchprogramm wird seit 1977 von der EU gefördert, um Kindern, die gesunde Ernährung leichter zu machen. Für mich gehörte der tägliche Gang in den Keller unserer Grundschule zu meinem Alltag, die Milch war lecker und brachte den Geist in Schwung.

Für unsere Großeltern und Eltern war sie ein Zeichen gesellschaftlichen Wohlstands und gesunder Ernährung.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt das Nahrungsmittel: „Milch und Milchprodukte enthalten hochwertiges Protein, das für den Muskelaufbau und -erhalt unverzichtbar ist. Darüber hinaus liefern sie unter anderem Vitamin B2 und Calcium.“

Der menschliche Körper könne dieses Calcium, das für den Knochenaufbau wichtig ist, zudem leichter verwerten als pflanzliche Alternativen. Solche Argumente waren der Grund dafür, dass die EU die Abgabe von Milch an Kinder seit 1977 fördert.

 

Die Inhaltsstoffe der Milch sprechen für sich:

87,2 g Wasser, 4,5 g Kohlenhydrate, 3,3 g Eiweiß, 3,5 g Fett, Spurenelemente und Mineralien, 120 mg Kalzium, 92 mg Phosphat, 12 mg Magnesium und die Vitamine A, B2, B12 und D.

Besonders Kalzium übernimmt eine wichtige Aufgabe: Es sorgt für den Aufbau und Erhalt von Knochen und Zähnen.

Milchfett ist ein gut verdauliches, wertvolles Fett, das neben fettlöslichen Vitaminen Lecithin enthält, einen wichtigen Aufbaustoff für Nerven und Gehirn. Aus den Milchproteinen baut der Mensch körpereigenes Eiweiß auf, das dem Stoffwechsel und Muskelaufbau dient. Das Kohlenhydrat der Milch ist Laktose, das Energie liefert und sich positiv auf die Darmflora und die Aufnahme von Kalzium, Magnesium und Zink auswirkt.

Ist die Milch pasteurisiert (darunter versteht man ein Verfahren, bei dem durch eine kurzfristige Erhitzung Mikroorganismen und Keime abgetötet werden und die Milch länger haltbar gemacht wird) ist sie nahezu für jeden bekömmlich.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung spricht von einer Unbedenklichkeit beim Verzehr von Milch bei gesunden Menschen.

Betrachtet man die Rohmilch, sieht es etwas anders aus. Was ist Rohmilch?

Als Rohmilch wird die unbehandelte Milch von Rindern, Schafen und Ziegen bezeichnet, die ohne Homogenisierung und Wärmebehandlung (z.B. Pasteurisieren) mit dem natürlichen Fettgehalt an Verbraucherinnen und Verbraucher abgegeben wird.

Direkt beim Milcherzeuger über sogenannte Rohmilchabgabeautomaten zu erhalten. Wenn es sich nicht um Vorzugsmilch von speziell kontrollierten Betrieben handelt, muss der Erzeuger einen Hinweis anbringen, um zu verhindern, dass Rohmilch ohne Erhitzen verzehrt wird.

Einige Bevölkerungsgruppen sind gefährdet, bei Säuglingen, Kleinkindern, älteren Menschen und Menschen mit bestimmten Grunderkrankungen (Immunschwäche) können Erkrankungen hervorgerufen werden. Rohmilch sollte generell nicht ohne Erhitzen verzehrt werden.

Viele Menschen, die mit Rohmilch groß geworden sind, vertragen diese auch. Andere besitzen eine Lactoseintoleranz und reagieren auf Milch. Dies sind in Deutschland etwa 2-3% der Bevölkerung. Selbst die Entstehung von Diabetes mellitus Typ 2  ist nicht auf den hohen Verbrauch an Milch nachzuweisen, dies belegen Studien des BfR aus 2013. Den Verzehr von Milch und Milchprodukten einzuschränken, so das BfR, ist keine sinnvolle Strategie zur Vorbeugung von Diabetes. Beides sollten feste Bestandteile einer ausgewogenen Ernährung sein. Allgemein sind fettarme Produkte zu bevorzugen.

Zurück zum Anfang des Artikels. Ist ein Sojadrink besser als Milch von Kühen, Schafen oder Ziegen?

Oder liegt es an der Ernährungsweise einzelner Pädagogen in Kindergärten, die sie den Kindern auferlegen wollen?

Sojamilch ist ein aus Sojabohnen hergestelltes pflanzliches Getränk. Milchersatz darf in der EU nicht mit der Bezeichnung Milch in Verkehr gebracht werden. Daher werden Produkte im Handel lediglich als „Sojadrink“ oder als „Soya – rein pflanzlich“ o. ä. verkauft.

Soja setzt sich zusammen aus: Cholesterin 0 mg, Natrium 51 mg, Kalium 118 mg, Kohlenhydrate 6 g, Ballaststoffe 0,6 g, Zucker 4g, Protein 3,3 g, Kalzium 25 mg und die Vitamine A, B6, C und D.

Gegen Soja-Milch spricht, dass sie bei empfindlichen Menschen Allergien auslösen kann.

Der geringe Anteil an Kalzium kann die Milch und ihre verschiedenen Produkte in der Nahrungskette nicht ersetzen. Gerade sich im Wachstum befindende Menschen benötigen Kalzium für den Knochenaufbau.

Milch macht müde Männer munter, Kinder fitter und schmeckt einfach lecker.

Kerstin Ramminger

Bild von: moritz320 pixabay